Protest
Eine Woche ohne Facebook. Das Selbstexperiment.
veröffentlicht von Anne Dietz am 17.01.2012 unter
Protest
Können junge Leute eigentlich auch noch ohne Facebook leben? Unsere Redakteurin hat das Experiment gewagt, und sich eine Woche lang nicht in das Netzwerk eingeloggt. Ein Erfahrungsbericht.
Vier Freundschaftsanfragen, fünf neue Nachrichten und elf Benachrichtigungen: das habe ich in einer Woche bei Facebook verpasst. Mehr als 15 Millionen Nutzer in Deutschland verbringen immer mehr Zeit in dem beliebten sozialen Netzwerk. Vorallem junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 34 Jahren loggen sich mindestens einmal am Tag ein. Da fragt man sich doch: Können die eigentlich auch noch ohne Facebook leben? Ich habe mich dem Experiment gestellt.
Der Anfang ist am schwierigsten: Mal kurz mit dem Handy in Facebook einloggen, während ich auf den Bus warte, eine Freistunde in der Schule habe oder beim Arzt im Wartezimmer sitze. Doch in dieser Woche verzichte ich darauf. Resultat: In der Schule ist jeder auf dem Laufenden, nur ich nicht. „Hast du gesehen was er gestern gepostet hat?“ Nein, das habe ich nicht. Und ich weiß auch nicht, wer seit neusten mit wem in einer Beziehung ist oder wer am Wochenende auf welche Party geht. Da fällt mir auf, dass nur noch sehr wenig direkt kommuniziert oder abgesprochen wird.
Es geht um mehr, als ums Chatten
Aber auf Facebook wird längst nicht mehr nur gechatten, sondern es werden auch Einladungen, Hausaufgaben oder Informationen zum nächsten Training gepostet. Schon zwei Tage später wird mir dies wieder bewusst: In der Schule soll ich ein Referat mit einem Klassenkameraden halten. „Ich schreib dir dann auf Facebook, wann ich Zeit hab.“ Warum wird es nicht direkt abgesprochen? Auf die Nachfrage, ob wir nicht sofort klären können, wann wir uns zusammensetzen, ist die Antwort wie erwartet: „Ich muss noch mal überlegen und nachgucken, was alles so ansteht. Aber ich schreib dir dann.“ Sind wir also zu faul, unsere Termine im Kopf zu behalten und neue direkt zu planen? Das soziale Netzwerk ist viel mehr als „unnütze Zeitverschwendung“ , sogar E-Mails sind in vielen Fällen schon überholt. Alles wird über Facebook vermittelt.
Die nächsten Tage habe ich sehr lange Schule und es fällt mir gar nicht so auf, dass ich nicht mehr oft online bin. Außerdem nutze ich die Zeit, vorallem abends, besser und lerne zum Beispiel für die Schule. Doch dann kommt das Wochenende und über Facebook weiß man schon nach wenigen Minuten, wer gerade was macht oder wie die nächtliche Party war. Für mich ist es hart, den Status meiner Freunde nicht nachlesen zu können oder die neuesten Fotos und Videos anzuschauen. Dafür warte ich bis Montagmorgen, doch außer den engen Freunden kommt niemand zu mir und berichtete mir von seinem Wochenende. In Facebook hat er dies aber wahrscheinlich getan. Uns ist gar nicht bewusst, wie viele Menschen unseren Status lesen können und wie viele Informationen wir ihnen über uns in Facebook mitteilen.
Ohne Facebook wird es schwierig
Insgesamt lerne ich in dieser einen Woche, dass ich sehr viel Zeit in Facebook verbringe und die meiste davon auch besser nutzen könnte. Doch auf der anderen Seite werden auch viele wichtige Dinge über das Netzwerk vermittelt und es geht um mehr, als den Empfang und Versand von Nachrichten. Ich bin schon fast auf ein Profil angewiesen, um in der heutigen Zeit Termine abzusprechen zu können oder überhaupt von ihnen zu erfahren.