Körperkult
Drogen an der Grenze von Illegalität und Menschenrecht
veröffentlicht von Lou Antoinette Godvliet am 07.01.2016 unter Körperkult
Drogenabhängige sind ständig in Lebensgefahr, nicht nur durch die Konsummittel an sich, sondern auch durch die Beschaffung oder Verabreichung. Fixerstuben sollen das Überleben der Abhängigen zumindest ein Stück weit sichern.
Durch verunreinigtes Spritzbesteck können sich die Süchtigen mit lebensbedrohlichen Infektionen wie Beispielsweise Aids oder Hepatitis infizieren. In den sogenannten Drogenkonsumräumen können bis zu acht Abhängige gleichzeitig ihre eigens mitgebrachten "Stoffe" unter ärztlicher Aufsicht konsumieren.

Ihnen wird elf Stunden am Tag neues Spritzzubehör zur Verfügung gestellt, sowie ihre Dosis kontrolliert. Sollte es zu einem Notfall kommen stehen immer drei Mitarbeiter bereit. Durch die Entsorgung des gebrauchten Materials vor Ort wird außerdem eine Gefährdung von Passanten und Kindern im öffentlichen Raum z.B. auf Spielplätzen oder Parks verhindert. Neben Wuppertal haben insgesamt sieben NRW-Städte wie z.B. auch unsere Nachbarstädte Köln, Dortmund und Essen eine Fixerstube eingerichtet.

Jene bieten aber nicht nur sauberes Spritzbesteck, sondern auch Angebote der Entzugs- und Methadonbehandlung, welches mithilfe des synthetischen Opioids die Entzugserscheinungen stillt, jedoch keine Rauschzustände verursacht. Die größte Gruppe der Abhängigen Besucher von Drogenkonsumräumen bilden die 26- bis 35- Jährigen. Mithilfe von Hausverboten wird gegen Drogenhandel, Gewalt und Randale gekämpft. In den 90er Jahren gab es rund 500 Drogentote im Jahr, vor zwei Jahren waren es lediglich noch 198 Menschen in NRW. Im vergangenen Jahre wurden die Fixerstuben um die 200.000 mal besucht und der Anteil der Drogenabhängigen die harte Drogen wie beispielsweise Heroin konsumieren ist dank eines inhalierenden oder nasalen Applikationen und damit auch weniger Risikoreichen Konsums auf 52% gesunken.

Die Vermeidung von Infektionen sowie schweren Folgeerkrankungen durch hygienische Konsumbedingungen, aber auch die Verhinderung von Überdosierungen und Drogentodesfällen wird durch die Überwachung des Konsums und Erster Hilfe in Notfällen gewährleistet. Die Verbesserung des Kenntnisstands zu Risiken des Drogenkonsums zählt ebenso zu den gesundheitlichen Zielen der Fixerstuben. Die ordnungspolitischen Ziele hingegen umfassen eine Reduzierung der Belastung der Öffentlichkeit, die durch sichtbaren Konsum, konsumspezifische Verunreinigungen und Szeneansammlungen hervorgerufen wird.

Als drogentherapeuthisches Ziel gilt die Kontaktaufnahme und -pflege von schwer erreichbaren Drogenkonsumenten durch einen geschützten Rahmen der Drogenkonsumräume, sodass eine Beziehung aufgebaut werden kann und das erlangte Vertrauen der Abhängigen die Basis für die Vermittlung weiterführender Hilfen darstellt. Zusätzlich soll die Motivation zur Veränderung der aktuellen Lebenssituation gesteigert werden indem man die Eigenverantwortlichkeit der Konsumenten anerkennt und sie in regionale Drogenhilfestrukturen integriert.

Alles in allem bilden die Drogenkonsumräume also eine Ergänzung des bestehenden Drogenhilfesystems und wird unter anderem auch von der "Deutsche AIDS-Hilfe" gefördert. In Berlin gibt es sogar schon eine mobile Variante, die verschiedene Szenetreffpunkte aufsucht und versorgt. Die Fixerstuben fördern nicht den Konsum, sondern die Überlebenschancen der Betroffenen und bieten ihnen viele Optionen des Entzugs.
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