Protest
Kompetenzen statt Bildung?
veröffentlicht von Lou Antoinette Godvliet am 31.12.2015 unter Protest
Schule war schon immer die wissensvermittelnde Instanz der Kinder und heranwachsenden, doch plötzlich ist die Rede von kompetenzorientiertem Unterricht. Was steckt wirklich hinter diesem neuen Konzept und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
Seit dem 1. August vergangenen Jahres traten die neuen Kernlehrpläne ab der Einführungsphase, sprich der 10. Klasse, in Kraft. Die Lehrer sind überfordert und das Zeitmanagement gerät noch weiter aus dem Fugen als ohnehin schon. Niemand weiß so wirklich was das Schulministerium da zusammen gebraut hat und die Schüler haben eine Repetition des Wortes "kompetenzenorientiert" im Kopf schwirren.

Ein Paradigmenwechsel von der Input- zur Outputorientierung findet statt, sodass die gewonnen und überprüfbaren Kompetenzen im Mittelpunkt stehen und den Fokus der Lehre von Wissen ablösen. Im Prinzip müsse hiermit endgültig der Frontalunterricht bzw. Autoritäre Erziehung aus dem Klassenzimmer verbannt werden und beispielsweise Gruppenarbeiten, Projekte etc. zur Förderung der Sozialkompetenzen weiter ausgebaut werden.

Ob dieses Vorhaben und die neuen Ziele von schulischer Bildung tatsächlich eingehalten werden können ist jedoch fraglich. Im Deutschunterricht soll so eine ethisch fundierte Haltung durch reflektierende und multiperspektivische Auseinandersetzung mit dem kulturell Anderen in Vergangenheit und Gegenwart entwickelt werden. Seit wann zählt Ethik denn zu den Sprachwissenschaften? Modellieren und Argumentieren rutscht in den Mathematikunterricht und Problemlösung ist neuerdings chemisch zu verstehen. Die Bezeichnungen der Kompetenzen sind insgesamt sehr schwammig formuliert, sodass es eigentlich nur logisch ist, dass niemand versteht was damit wirklich gemeint ist.

Die fachliche Kompetenz, die Fächerübergreifend erlernt werden soll, gliedert sich in die Kompetenzbereiche bzw. Prozesse und Inhaltsfelder bzw. Gegenstände. Diese beiden Aspekte sollen dann miteinander verknüpft werden, was der Kompetenzerwartung entspricht. Die Auseinandersetzung mit den Lehrplänen ist natürlich nicht die Aufgabe der Schüler, dennoch hilft ein Kenntnisstand darüber beim Erfüllen der Erwartungen, sodass bei klugem Einsatz bessere Noten erzielt werden könnten.

Schlussendlich erscheint der neue Lehrplan als pädagogisch wertvoller dem alten gegenüber, ruft jedoch in der Übergangsphase bisher nur Chaos, Unverständnis und Zeitmangel hervor, was die Vorbereitung aufs Abitur maßgeblich behindert, da bestimmte Themen gar nicht mehr im Unterricht behandelt werden können und von den früheren sogenannten "Wunschthemen" nur noch eine Erinnerung bleibt.
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