Protest
Seilbahn 2025 - ein (Alb)traum?
veröffentlicht von Lina Skarupke am 09.12.2015 unter Protest
Zunächst klingt das Projekt "Seilbahn" wie Zukunftsmusik in den Ohren vieler Bürger. Schwebebahn und Seilbahn - wie viel Marketing kann es für eine Stadt noch geben? Doch der Schein trügt.
Fliegen über einen tiefblauen Himmel, die Sonne scheint zum Greifen nah und die Landschaft unter einem zieht wie im Traum vorbei. Was sich für viele nach einem Flug in den Spanienurlaub anhört, soll nach Meinung der Wuppertaler Stadtwerke für viele Bürgerinnen und Bürger bald zum Alltag gehören.

Als Teil des Projektes "Wuppertal 2025" soll eine Seilbahn vom Hauptbahnhof zur Universität und zum Schulzentrum Süd führen, um die Bussituation in Wuppertal zu entlasten und die rund 21.000 Studenten (Stand WS 2015/16) zu ihren Vorlesungen zu bringen. Zunächst klingt das Projekt "Seilbahn" wie Zukunftsmusik in den Ohren vieler Bürger. Schwebebahn und Seilbahn - wie viel Marketing kann es für eine Stadt noch geben? Verkehrstechnisch scheint Wuppertal gegen alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Doch der Schein trügt.

Mittlerweile beteiligen sich immer mehr Anwohner an der Bürgerinitiative "Seilbahnfreies Wuppertal e.V." und machen mit thematisch unterschiedlichen Bannern an ihren Häusern auf die Situation aufmerksam. Dabei geht es vielen vor allem um die Sicherung der Privatsphäre und um die Aufrechterhaltung des Nahverkehrs in Wuppertal. Laut der Internetseite der Gegner des geplanten Projekts sollen durch die hohen Kosten (ca. 50 Millionen Euro Investitionskosten) Einsparungen gemacht werden. Diese sollen vor allem den Busverkehr betreffen.

Laut WSW sollen die Linien CE64 und CE65 in einem bestimmten Abschnitt komplett entfallen und etwaige andere Linien wie die 613, 625, oder 603 seltener fahren. Die Linie 645 soll auf den Südhöhen komplett entfallen. Das kann vor allem für die Leute zum Problem werden, deren Ziel mit der Seilbahn gar nicht zu erreichen ist und die auf Grund von Krankheit oder Altersschwäche einen viel längeren Weg haben.

Die derzeitige Flexibilität, die durch gute und umsteigfreie Busverbindung ermöglicht wird, wäre demnach komplett eingeschränkt. Den Studenten stehen momentan schon mehrere Sonderbusse direkt zum Unicampus zur Verfügung, die eine flexible Fahrt zu den einzelnen Standorten ermöglicht. Ob durch die Seilbahn nicht eher mehr Schaden, als Verbesserung entsteht ist fraglich. Denn der zweitgrößte Campus auf dem Freudenberg würde gar keine zusätzlichen Busfahrten mehr sehen. Damit würde das Busangebot morgens zum Vorlesungsbeginn um 80% reduziert werden.

Dass die Bussituation sich verschlechtert, scheint für die WSW schon sicher zu sein. "Grundsätzlich ist die Seilbahn etwas Gutes, was aber auch sinnvoll gestaltet werden muss", sagte eine Anwohnerin der Elberfelder Südstadt. Sie ist Teil der Bürgerinitiative und versucht mit den Bannern auf die Situation aufmerksam zu machen. Generell soll es von Seiten der Stadtwerke keine Annäherungsversuche an die betroffenen Anwohner geben, die sich eine bessere Kommunikation mit den Befürwortern wünschen.

Bestes Beispiel dafür ist eine Podiumsdiskussion zu der die CDU sowohl Befürworter als auch Gegner eingeladen hatte, wobei sich fast ausschließlich letztere beteiligt haben. Den Anwohnern geht es vor allem um die Sicherung der Privatsphäre, da in der angepeilten Strecke sowohl vier Kindergärten und vier Kleingartenvereine überflogen werden würden.

Mögen manche Befürworter an dieser Stelle einwerfen, dass die Schwebebahn damals auch von vielen Bürgern gefürchtet wurde und nun Publikumsmagnet Nummer eins ist, darf nicht vergessen, dass die Strecke zwischen Döppersberg und Unicampus mit Bussen schon gut zu erreichen ist und dass das Errichten einer Seilbahn zu weiteren Schulden und zu Problemen im Verkehr und Umwelt führen wird. Darüber hinaus wird die Seilbahn genau wie die Schwebebahn nicht an 365 Tagen im Jahr einsatzfähig sein, da auch diese durch Wartungen und schlechte Wetterverhältnisse mit Einschränkungen zu rechnen hat.
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